Das Alte Testament im Licht der Letzten Tage
- manfred.lobstein

- vor 1 Tag
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(Bildquelle: KI-generiert mit ChatGPT)
„Was ich, der Herr, gesagt habe, das habe ich gesagt, … mein Wort wird nicht vergehen, sondern wird sich gänzlich erfüllen“ (Lehre und Bündnisse 1:38).
Gottes Wort bleibt lebendig – es überdauert Zeiten, Völker und Sprachen. In dieser Zusage erkennen wir, dass auch die alten Schriften in neuem Licht erstrahlen, wenn der Herr in den Letzten Tagen sein Werk erneuert und fortführt. So betrachten wir das Alte Testament nicht als abgeschlossenes Zeugnis, sondern als Teil einer fortwährenden Offenbarung des göttlichen Willens.
Offenbarung und Wiederherstellung – Das Alte Testament im Licht der Letzten Tage
Das Alte Testament öffnet uns ein Tor zu Gottes Handeln in der Geschichte – zu Bündnissen, Offenbarungen und Verheißungen, die das Fundament des göttlichen Heilsplans bilden. Doch dieses Tor bleibt nicht geschlossen; in den Letzten Tagen hat der Herr es erneut weit aufgetan. Durch Propheten, die Er berufen hat, und durch den Heiligen Geist, der in unseren Herzen wirkt, lässt Gott uns dieselben Wahrheiten tiefer erkennen, die schon den Patriarchen und Propheten offenbart wurden. So sehen wir das Alte Testament heute im Licht fortdauernder Offenbarung – nicht als abgeschlossenes Buch, sondern als Teil einer lebendigen, göttlichen Geschichte.
Die Rolle moderner Offenbarung bei der Auslegung alter Texte
Wenn wir die Schriften des Alten Bundes lesen, tun wir das nicht allein mit menschlichem Verstand. Der Herr hat in dieser Zeit Propheten gesetzt, um uns zu helfen, „die Geheimnisse des Reiches“ (LuB 76) zu verstehen. Viele Stellen, die ohne Offenbarung dunkel erscheinen, werden durch die Lehre moderner Propheten hell erleuchtet. Offenbarung ist kein Gegensatz zur Schrift, sondern ihr Schlüssel. Der gleiche Geist, der einst Abraham führte, spricht auch heute zu Sehern, Offenbarern und Propheten – und zu jedem, der bereit ist, zu hören. So lernen wir, dass die Schrift nicht bloß Vergangenheit ist, sondern Gegenwart – lebendig, atmend, göttlich.
Die Joseph-Smith-Übersetzung als Inspiration und Klärung
Ein kostbares Beispiel für fortgesetzte Offenbarung ist die Joseph-Smith-Übersetzung (JST). Sie zeigt, dass der Herr auch über die heiligen Texte wacht und sie durch Offenbarung klärt, wo Überlieferung oder Übersetzung ihren ursprünglichen Sinn verdunkelt haben. Was Joseph Smith über Mose, Enoch oder Melchisedek empfing, öffnet uns ein tieferes Verständnis für Gottes Bund mit Israel – und für den erlösenden Auftrag Christi, der schon „von Anfang an“ im Plan des Vaters stand. Durch diese inspirierten Ergänzungen lernen wir, das Alte Testament nicht als Relikt, sondern als fortlaufenden Teil eines göttlichen Lehrgesprächs zu betrachten.
Zusätzliche Erkenntnisse durch das Buch Mose und das Buch Abraham
Im Buch Mose wird uns die Geschichte der Schöpfung und der Menschen in einer erweiterten, himmlischen Perspektive offenbart. Wir sehen, wie eng die Propheten der Frühzeit mit Gott wandelten, und wie der Herr Seinen ewigen Plan mit ihnen teilte. Besonders berührt die Vision Henochs in Mose 7, in der er die Tränen Gottes sieht – ein mächtiges Zeugnis davon, dass der Schöpfer mitfühlt und um Seine Kinder ringt.
Auch das Buch Abraham erweitert unser Verständnis. Es zeigt uns, dass die Sternenwelten, die Ordnungen des Himmels und das Vorherdasein der Seelen Teil desselben ewigen Systems sind, das in den alten Schriften nur angedeutet wird. Wenn Abraham „die Werke Gottes“ (Abraham 3) sieht, dann erblickt er die ewige Ordnung, in der wir alle unseren Platz haben. Solche Offenbarungen lassen die alten Texte atmen – sie öffnen ihre inneren Dimensionen und verbinden uns mit den frühen Vätern des Glaubens auf einer geistigen Ebene.
Der Heilige Geist macht das Alte Testament lebendig
Doch Offenbarung geschieht nicht nur durch Bücher und Propheten, sondern auch in stillen Momenten, wenn der Heilige Geist unser Herz berührt. Er ist der wahre Lehrer der Schrift. Wenn wir mit ehrlichem Herzen lesen, flüstert Er uns Bedeutungen zu, die kein Kommentar fassen kann. So wird das Alte Testament für uns „lebendig“ – nicht, weil sich seine Worte ändern, sondern weil der Geist sie in uns zum Klingen bringt. In diesem inneren Erleben bestätigt der Herr, dass Seine Wahrheit fortbesteht und dass die Heilige Schrift immer wieder neu geboren wird, wenn sie im Licht des Geistes gelesen wird.
Vertiefung, nicht Ersatz
Manche fragen, ob neue Offenbarung das Alte verdrängt. Doch der Herr spricht: „Was ich, der Herr, gesagt habe, habe ich gesagt ... meine Worte werden alle erfüllt werden“ (LuB 1:37–38). Der Bund bleibt bestehen; er wird nicht ausgelöscht, sondern erweitert. Die Wiederherstellung in den Letzten Tagen führt nicht weg vom Alten Testament – sie führt tiefer hinein. Sie zeigt, dass Gott gestern, heute und in Ewigkeit derselbe ist. Der Fels Israels steht fest; nur unser Blick wird klarer.
Persönliches Zeugnis
Ich empfinde große Dankbarkeit, dass der Himmel heute offen ist. Wenn ich das Alte Testament lese und zugleich die modernen Offenbarungen betrachte, spüre ich, wie der Geist dieselbe Stimme in beiden Zeugnissen erkennen lässt. Ich glaube fest, dass der Herr weiterhin spricht – zu Seinen Propheten, zu Seinen Kindern, zu mir. In diesem Bewusstsein lese ich die alten Worte mit neuem Staunen. Sie tragen dieselbe göttliche Kraft, die auch heute wirkt. Und so vertraue ich darauf, dass Gottes Werk lebendig ist, dass Seine Offenbarung fortdauert – und dass auch wir, in unserer Zeit, Teil dieses ewigen Gesprächs zwischen Himmel und Erde sein dürfen.



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