
Oliver spricht unter vier Augen liebevoll mit Hiram (Screeshot)
(Bild: Quelle)
“Und weiter sollst du dir deinen Bruder Hiram Page nehmen, zwischen ihm und dir allein, und ihm sagen, dass all jenes, was er von jenem Stein geschrieben hat, nicht von mir ist und dass der Satan ihn täuscht;” (Lehre und Bündnisse 28:11).
In den Versen 11–16 erhält Oliver Cowdery weitere spezifische Aufträge vom Herrn. Zunächst soll er sich privat mit Hiram Page unter vier Augen treffen und ihm klar machen, dass die angeblichen Offenbarungen, die er durch seinen Stein empfangen hat, nicht von Gott stammen, sondern eine Täuschung Satans sind. Der Herr betont, dass Hiram Page keine göttliche Vollmacht erhalten hat, solche Offenbarungen zu empfangen, und dass niemand in der Kirche Anweisungen erhalten wird, die den bestehenden Bündnissen widersprechen *).
Weiterhin wird Oliver daran erinnert, dass in der Kirche alles geordnet und durch allgemeine Zustimmung erfolgen muss – insbesondere durch das Gebet des Glaubens. Bevor er zu den Lamaniten aufbricht, soll er helfen, diese Unstimmigkeit innerhalb der Kirche in Einklang mit den Bündnissen zu klären.
Der Herr verspricht Oliver auch, dass er während seiner Missionsreise fortlaufend göttliche Eingebungen erhalten wird, die ihm zeigen, was er tun soll. Abschließend erhält er die Anweisung, das Evangelium stets mit Freude und Überzeugung zu verkünden und seinen Mund nicht zu verschließen.
*) Hiram Pages unautorisierte Offenbarungen betrafen im Wesentlichen zwei Offenbarungen in Bezug auf den Aufbau Zions und die Ordnung der Kirche. Er behauptete, Botschaften erhalten zu haben, die darlegen sollten, wie die Kirche strukturiert und aufgebaut werden müsse – eine Darstellung, die direkt im Widerspruch zu den von Joseph Smith empfangenen und festgelegten Offenbarungen stand.
Hiram Page nutzte einen Seherstein, um Offenbarungen zu empfangen, die er fälschlicherweise als autoritativ für die gesamte Kirche darstellte. Dabei ging es nicht nur darum, persönliche Eingebungen zu haben, sondern den Eindruck zu erwecken, dass seine mit dem Stein gewonnenen Botschaften dieselbe göttliche Autorität besaßen wie jene, die ausschließlich vom Propheten Joseph Smith empfangen wurden. Indem er versuchte, diese unautorisierte Offenbarung als verbindlich darzulegen, stellte er den etablierten göttlichen Ordnungsprozess in Frage und verursachte so eine spezifische Täuschung, die in direktem Widerspruch zu der festgelegten Kirchenstruktur stand.
Insgesamt betonen diese Verse die göttliche Ordnung der Offenbarung in der Kirche: Der Herr offenbart seinen Willen für die gesamte Kirche durch den Propheten, während andere Führer, wie Oliver Cowdery, Offenbarung für ihren eigenen Aufgabenbereich empfangen können, aber nicht für die gesamte Kirche.
M. Russell Ballard, Amtieren der Präsident des Kollegiums der Zwölf Apostel, hat gemahnt: „Richten Sie die Augen fest auf die Erste Präsidentschaft und das Kollegium der Zwölf Apostel. Wir werden Sie nicht in die Irre führen – wir können es gar nicht! … Wenn Ihnen jemand sagt, er habe eine Offenbarung erhalten, welche die Erste Präsidentschaft und die Zwölf nicht erhalten haben: Nehmen Sie Reiß aus!“
Wie helfe ich jemandem Fehler zu erkennen?
Aus dem Beispiel, wie Oliver Cowdery mit Hiram Page umgehen soll, lernen wir wichtige Prinzipien darüber, wie man jemanden auf einen Fehler aufmerksam machen sollte. Erstens betont der Herr, dass Oliver unter vier Augen mit Hiram sprechen soll. Dies zeigt, dass Korrektur zunächst diskret und respektvoll erfolgen sollte, um die Würde der betreffenden Person zu wahren und unnötige Demütigung zu vermeiden.
Zweitens wird Oliver angewiesen, Hiram direkt, aber klar zu sagen, dass seine Offenbarungen nicht von Gott stammen und dass er getäuscht wurde. Dies zeigt, dass es wichtig ist, Wahrheit in Liebe zu vermitteln – ohne Beschönigung, aber auch ohne verletzende oder anklagende Worte.
Drittens erinnert der Herr daran, dass alles in der Kirche geordnet und nach göttlichen Prinzipien geschehen muss. Dies bedeutet, dass Korrektur nicht aus persönlichem Stolz oder Ärger erfolgen sollte, sondern im Einklang mit den göttlichen Maßstäben und zum Wohl der Gemeinschaft.
Schließlich erhält Oliver die Aufgabe, zur Einigkeit beizutragen, bevor er seine Missionsreise antritt. Dies zeigt, dass es nicht nur darum geht, Fehler aufzuzeigen, sondern auch aktiv daran zu arbeiten, Harmonie und Verständnis wiederherzustellen. Wir sollten also nicht nur kritisieren, sondern auch helfen, dass der Betroffene seinen Fehler erkennt und sich verbessern kann.
Täuschungsversuche Satans erkennen
Aus diesem Beispiel lernen wir wertvolle Lehren darüber, wie Satan versucht, uns mit Täuschungen von der Wahrheit abzubringen, und wie wir uns davor schützen können.
Erstens: Täuschungen können selbst aufrichtig gläubige Menschen treffen. Hiram Page war ein treuer Anhänger des Evangeliums, aber er wurde durch eine falsche Quelle irregeführt. Dies zeigt, dass gute Absichten allein nicht ausreichen, um uns vor Irrtümern zu bewahren – wir müssen die richtige Quelle der Wahrheit suchen.
Zweitens: Satan vermischt oft Wahrheit mit Irrtum, um seine Täuschungen glaubwürdig erscheinen zu lassen. Hiram Page glaubte, echte Offenbarungen zu empfangen, doch diese widersprachen dem, was Gott bereits offenbart hatte. Wir lernen daraus, dass wir jede Lehre und jede Inspiration mit den Schriften und den lebenden Propheten vergleichen müssen, um sicherzugehen, dass sie wirklich von Gott kommt.
Drittens: Wahre Offenbarung kommt durch die von Gott berufenen Diener. Der Herr stellt klar, dass niemand Offenbarungen für die gesamte Kirche empfangen kann außer dem Propheten. Wenn jemand behauptet, neue Wahrheiten zu haben, die im Widerspruch zu den von Gott berufenen Führern stehen, sollten wir wachsam sein und die Quelle dieser Behauptungen prüfen.
Viertens: Täuschung kann Unruhe und Spaltung verursachen. Hiram Pages falsche Offenbarungen führten zu Verwirrung unter den Mitgliedern. Dies zeigt, dass eine der Strategien Satans darin besteht, Uneinigkeit zu säen und Menschen gegeneinander aufzubringen. Wenn wir merken, dass eine Lehre Streit, Zweifel oder Stolz fördert, sollten wir vorsichtig sein.
Fünftens: Der beste Schutz gegen Täuschung ist eine enge Verbindung mit dem Herrn. Der Herr wies Oliver Cowdery an, durch den Tröster zu sprechen und sich an die göttliche Ordnung zu halten. Das lehrt uns, dass der Heilige Geist unser wichtigster Schutz ist – wenn wir in Harmonie mit ihm leben, wird er uns helfen, Wahrheit von Irrtum zu unterscheiden.
Zusammenfassend zeigt dieses Beispiel, dass Satan uns von der Wahrheit abbringen kann, wenn wir nicht wachsam sind. Doch wenn wir uns an die rechtmäßigen Führer der Kirche halten, jede Lehre mit den Schriften und dem Geist der Offenbarung prüfen und dem Heiligen Geist folgen, können wir verhindern, dass wir getäuscht werden.
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