Alles soll in der Kirche mit allgemeiner Zustimmung getan werden
- manfred.lobstein
- 22. März
- 4 Min. Lesezeit

Allgemeine Zustmmung
(Bild: Quelle)
“Und alles soll in der Kirche mit allgemeiner Zustimmung getan werden, durch viel Beten und Glauben, denn alles sollt ihr durch Glauben empfangen. Amen.” (Lehre und Bündnisse 26:2).
Geschichtlicher Hintergrund zu L&B 26
L&B 26 entstand in einer Zeit großer Herausforderungen für den Propheten Joseph Smith. Nachdem er intensiv mit der Übersetzung des Buches Mormon und der Organisation der Kirche beschäftigt war, musste er zwischen seinen geistlichen Aufgaben und den weltlichen Verpflichtungen abwägen. Zusammen mit seiner Frau Emma lebte er auf einem kleinen Grundstück – etwa 13 Morgen – das sie von Emmas Vater, Isaac Hale, erwerben wollten. Da Joseph jedoch aufgrund der zahlreichen Reisen zwischen den verschiedenen Zweigen der Kirche in New York und Pennsylvania kaum Zeit für die Bewirtschaftung des Landes aufbringen konnte, geriet er in Konflikt mit Isaac, der auf die vereinbarte Zahlung von 200 Dollar bestand (heute etwa 6.000 bis 7.000 US-Dollar).
In dieser Situation gab der Herr durch die Offenbarung in L&B 26 klare Anweisungen: Joseph sollte seine Zeit so einteilen, dass er sich sowohl dem Studium der Schriften, dem Predigen und der Bestätigung der Kirche in Colesville widmete als auch die nötigen Arbeiten auf dem Land verrichtete, bis er in den Westen reiste, um die nächste Konferenz abzuhalten. Gleichzeitig wird betont, dass alle Handlungen in der Kirche mit „allgemeiner Zustimmung“ erfolgen sollen – ein Prinzip, das bis heute als Grundlage der gemeinsamen Entscheidungsfindung in der Kirche gilt.
Diese Offenbarung half Joseph, seine intensiven geistlichen Verpflichtungen mit den notwendigen weltlichen Aufgaben in Einklang zu bringen, und stellte sicher, dass die Verwaltung der Kirche nicht nur auf Inspiration, sondern auch auf demokratischer Mitwirkung beruhte. So trug L&B 26 entscheidend dazu bei, die organisatorische Ordnung und den Zusammenhalt der frühen Kirche zu stärken, während sie gleichzeitig den praktischen Anforderungen des täglichen Lebens gerecht wurde.
Um diesem Balanceakt gerecht zu werden, verfolgte er mehrere Strategien:
Offenbarung und göttliche Führung – Er suchte regelmäßig den Herrn um Rat, wie in L&B 26:1, wo ihm gesagt wurde, seine Zeit zwischen Schriftstudium, Predigt und landwirtschaftlicher Arbeit aufzuteilen.
Arbeitsteilung und Delegation – Er delegierte Aufgaben innerhalb der Kirche und berief Führer, die ihm halfen, die Mitglieder geistlich zu betreuen. So konnte er sich auch um seine Familie kümmern.
Unterstützung durch Familie und Freunde – Seine Frau Emma trug oft zur finanziellen Versorgung der Familie bei, und treue Freunde und Kirchenmitglieder halfen ihm, seine weltlichen Verpflichtungen zu bewältigen.
Praktische Erwerbstätigkeit – Joseph Smith arbeitete in verschiedenen Berufen, darunter als Landwirt, Verleger und Übersetzer, um Einkommen für seine Familie zu sichern.
Glaube und Opferbereitschaft – Er nahm persönliche Entbehrungen in Kauf und vertraute darauf, dass der Herr für ihn und seine Familie sorgen würde, wenn er seine göttliche Berufung erfüllte.
Wie studiere ich die Heiligen Schriften richtig?
Ein richtiges Schriftstudium verbindet sowohl methodische als auch geistliche Elemente. Das bedeutet zunächst, dass du dir bewusst Zeit nimmst – in einer ruhigen, ungestörten Umgebung – um die Schriften aufmerksam zu lesen. Viele finden es hilfreich, sich an der Methode der „Lectio divina“ zu orientieren. Dabei liest du einen Abschnitt (lectio), meditierst über einen bestimmten Vers, betest um Führung (oratio) und verweilst in stiller Kontemplation (contemplatio). So wird der Text nicht nur intellektuell erfasst, sondern wirkt auch direkt auf dein Herz und deinen Geist.
Gleichzeitig ist es wichtig, den historischen und kulturellen Kontext zu berücksichtigen. Hilfsmittel wie Studienführer, Kommentare oder Wörterbücher können dir dabei helfen, schwierige Passagen besser zu verstehen – jedoch sollten sie deine persönliche, betende Auseinandersetzung nicht ersetzen (L&B 109:7).
Das Schriftstudium ist letztlich ein dialogischer Prozess: Du trittst in einen inneren Austausch mit dem Wort Gottes, lässt dich vom Heiligen Geist leiten und überträgst die gewonnenen Erkenntnisse in dein tägliches Leben. Regelmäßiges und diszipliniertes Lesen, begleitet von Gebet und Reflexion, hilft dir dabei, die zeitlosen Wahrheiten und Lehren der Heiligen Schriften wirklich zu verinnerlichen.
Das Gesetz der allgemeinen Zustimmung
Das Gesetz der allgemeinen Zustimmung in der Kirche bedeutet, dass wichtige Entscheidungen – wie Ernennungen, Richtungsänderungen oder andere wesentliche Vorgänge – nicht einseitig von den Führern getroffen werden, sondern von der gesamten Mitgliederbasis bestätigt werden. In der Praxis geschieht das meist durch eine symbolische Abstimmung, oft in Form des Handhebens während einer Versammlung. Wer „zustimmt“, zeigt damit, dass er bereit ist, den Entscheidungen und Anweisungen der Kirchenleitung zu folgen. Diese Praxis basiert auf der Offenbarung, etwa in L&B 26:2, wo der Herr anweist, dass alle Dinge in der Kirche durch allgemeine Zustimmung geschehen sollen. So wird der freie Wille der Mitglieder betont und die Mitbestimmung in der Kirchenführung gestärkt.
Wenn du deine Hand hebst, gibst du öffentlich deine Zustimmung und Unterstützung für die Entscheidung oder die Führungsperson, die gerade berufen oder bestätigt wird. Es ist ein symbolischer Akt, der bezeugt, dass du den Ruf und die Führung Gottes anerkennst, wie sie durch die Autoritäten der Kirche ausgeübt wird.
Das Handheben signalisiert nicht nur deine Zustimmung, sondern auch deine Bereitschaft, diese Entscheidung durch dein tägliches Handeln zu unterstützen. Es ist ein öffentlicher Ausdruck deines Glaubens und deiner Verpflichtung, den Richtlinien und Zielen der Kirche zu folgen – das heißt, du sollst nicht nur symbolisch zustimmen, sondern auch aktiv dazu beitragen, dass diese Prinzipien in deinem Leben und in der Gemeinschaft verwirklicht werden.
Deine Unterstützung für eine bestätigte Person kann auf verschiedene Weise praktisch werden, je nachdem, welche Aufgabe oder Berufung sie hat:
Gebet – Bete für die Person, damit sie Weisheit, Kraft und geistige Führung erhält.
Ermutigung – Sprich ihr Mut zu, erkenne ihre Bemühungen an und zeige Dankbarkeit für ihren Dienst.
Mitarbeit – Sei bereit, ihr bei Aufgaben zu helfen, die mit ihrer Berufung zusammenhängen, z. B. durch Unterstützung bei Aktivitäten oder organisatorische Hilfe.
Loyalität – Zeige Respekt für ihre Führung und befolge die Anweisungen oder Programme, die sie in ihrer Berufung umsetzt.
Feedback und Inspiration teilen – Falls sie nach Vorschlägen fragt oder du Eindrücke hast, die hilfreich sein könnten, teile sie auf respektvolle Weise.
Eigene Pflichten erfüllen – Indem du in deiner eigenen Berufung oder als Mitglied zuverlässig bist, erleichterst du es ihr, ihre Aufgaben zu erfüllen.
Comments