Dass euer Auge nur auf meine Herrlichkeit gerichtet ist
- manfred.lobstein
- 24. März
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(Bild: Quelle)
“Denn siehe, ich sage euch: Es kommt nicht darauf an, was ihr esst oder was ihr trinkt, wenn ihr vom Abendmahl nehmt, sofern ihr es so tut, dass euer Auge nur auf meine Herrlichkeit gerichtet ist, und ihr – vor dem Vater – meines Leibes gedenkt, der für euch niedergelegt wurde, sowie meines Blutes, das für die Vergebung eurer Sünden vergossen wurde.” (Lehre und Bündnisse 27:2).
Geschichtlicher Hintergrund zu L&B 27
L&B 27 ist eine der frühesten Offenbarungen, die Joseph Smith empfing, und spielt in der Gründungszeit der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage eine besondere Rolle. Im August 1830, als Joseph Smith in Harmony, Pennsylvania, einen Gottesdienst vorbereitete – genauer gesagt, als er Wein holen wollte, um im Rahmen des Abendmahls die am 28. Juni 1830 getauften, aber wegen des Ausbruchs der Verfolgung in der Gegend im Sommer jenes Jahres noch nicht konfirmierten Emma Smith und Sally Knight, die Gabe des Heiligen Geistes zu spenden – begegnete ihm ein Himmelsbote. Dieser übermittelte ihm die Offenbarung (und das Bemerkenswerte ist, dieser Bote spricht, als wäre er der Herr selbst; L&B 1:38), die in zwei Teilen festgehalten wurde: Ein erster Teil wurde direkt im August niedergeschrieben, der zweite Teil folgte im darauffolgenden September. Diese Offenbarung ist historisch bedeutsam, weil sie nicht nur praktische Anweisungen für den Gottesdienst enthält (wie die spätere Praxis, Wasser anstelle von Wein zu verwenden), sondern auch auf die Übertragung von Priestertumsschlüsseln hinweist. So werden in dem Text bedeutende himmlische Boten und frühere Propheten – etwa Moroni, Elias, Johannes der Täufer, Elijah und sogar Adam – erwähnt, die im Auftrag des Herrn die Wiederherstellung des ursprünglichen Priestertums und der Kirche unterstützen.
Zudem markiert L&B 27 den Abschluss der Offenbarungen, die in Harmony empfangen wurden, denn kurz nach diesen Ereignissen verließen Joseph und seine Familie im September 1830 diesen Ort endgültig. Die Offenbarung spiegelt den Geist der Zeit wider – eine Ära intensiver religiöser Erweckung und Herausforderungen – und unterstreicht Joseph Smiths Auftrag, die ursprüngliche Kirche Jesu Christi wiederherzustellen und zu organisieren.
Es kommt nicht darauf an, was ihr esst oder was ihr trinkt, wenn ihr vom Abendmahl nehmt
Die Anweisung des Herrn in L&B 27:1-4, keinen Wein von Fremden zu nehmen, hat sowohl eine praktische als auch eine geistige Bedeutung.
1. Historischer Hintergrund: Schutz vor Feinden
Im August 1830, als diese Offenbarung empfangen wurde, befand sich die junge Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage in einer feindlichen Umgebung. Es gab Widerstand und Verfolgung durch Gegner der Kirche, insbesondere in den Regionen New Yorks und Pennsylvanias.
Es bestand die reale Gefahr, dass feindliche Personen den Wein vergiften könnten, um Schaden anzurichten.
Der Herr warnte Joseph Smith deshalb, dass es nicht sicher sei, Wein von Nichtmitgliedern zu beziehen.
Dies zeigt, dass Offenbarungen oft auch konkrete zeitliche Herausforderungen berücksichtigen, um die Heiligen zu schützen.
2. Geistige Bedeutung: Reinheit und Heiligkeit
Neben dem Schutzaspekt betont diese Anweisung ein wichtiges geistiges Prinzip:
Der Herr macht deutlich, dass nicht die Art des Getränks entscheidend ist, sondern dass es mit einem reinen Herzen und mit der richtigen Absicht zu sich genommen wird.
Diese Passage aus L&B 27:2 betont die richtige Herzens- und Geisteshaltung beim Abendmahl. Sie enthält drei zentrale Prinzipien, die für uns heute eine tiefe Bedeutung haben:
„Euer Auge nur auf meine Herrlichkeit gerichtet“ – Fokus auf Christus
Beim Abendmahl sollen wir unseren Blick auf Jesus Christus richten, nicht auf Nebensächlichkeiten.
Es geht darum, sich nicht ablenken zu lassen – weder von weltlichen Sorgen noch von äußeren Einflüssen.
Diese Formulierung erinnert an Matthäus 6:22, wo Jesus sagt: „Wenn dein Auge lauter ist, so wird dein ganzer Leib licht sein.“
Für uns bedeutet das, dass wir nicht halbherzig oder routinemäßig am Abendmahl teilnehmen sollten, sondern bewusst Christus in den Mittelpunkt stellen.
„Vor dem Vater“ – Ein heiliger Bund mit Gott
Das Abendmahl ist kein isoliertes Ritual, sondern eine heilige Handlung vor dem Vater im Himmel.
Wir erneuern dabei bewusst unsere Bündnisse mit Ihm.
Diese Perspektive hilft uns, Ehrfurcht zu empfinden und zu erkennen, dass wir vor Gott stehen, wenn wir vom Abendmahl nehmen.
„Meines Leibes gedenkt“ – Erinnern an das Sühnopfer
Das Gedenken an Christi Leib bedeutet, sich bewusst mit Seinem Opfer auseinanderzusetzen.
Sein physischer Körper wurde für uns hingegeben – und wir sollen uns daran erinnern, dass Er unsere Schmerzen, Schwächen und Sünden getragen hat (Alma 7:11-13).
Dies ist keine oberflächliche Erinnerung, sondern eine tiefgehende Neuverbindung mit Christus.
3. Langfristige Auswirkungen: Einführung der heutigen Abendmahlspraktiken
Diese Offenbarung führte dazu, dass die Kirche begann, ihre eigenen Abendmahlsmittel zu bereiten, statt sich auf externe Quellen zu verlassen.
Später wurde diese Unabhängigkeit weiter betont, als die Kirche dazu überging, Wasser anstelle von Wein für das Abendmahl zu verwenden.
Diese Offenbarung markierte somit einen Wendepunkt in der kirchlichen Abendmahlsordnung und lehrte gleichzeitig wichtige Lektionen über geistige Reinheit, Gehorsam und Schutz.
L&B 27:1-4 "verurteilte jedoch nicht den Gebrauch von Wein; Es öffnete nur die Tür für die Verwendung anderer Substanzen. Die Heiligen benutzten bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts weiterhin Wein im Abendmahl. Nachdem Joseph Smith diese Offenbarung empfangen hatte, notierte er: "Im Gehorsam gegenüber dem oben Gesagten bereiteten wir Wein aus eigener Herstellung zu und hielten unsere Versammlung ab. Wir nahmen vom Abendmahl, nachdem wir diese beiden Schwestern [Emma Smith und Sally Knight] in der Kirche konfirmierten und den Abend auf herrliche Weise verbrachten. Der Geist des Herrn ist über uns ausgegossen worden. Wir priesen den Gott Israels und freuten uns über alles." (Quelle).
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