Mache dein Amt groß
- manfred.lobstein
- 18. März
- 4 Min. Lesezeit

(Bild: Quelle)
“Mache dein Amt groß; und wenn du deine Felder eingesät und sie gesichert hast, begib dich schnell zu den Gemeinden in Colesville, Fayette und Manchester, und sie sollen für dich sorgen; und ich will sie sowohl geistig als auch zeitlich segnen;” (Lehre und Bündnisse 24:3).
Geschichtlicher Hintergrund zu L&B 24:1-19
L&B 24 wurde in einer Zeit intensiver Verfolgung empfangen. Die Kirche war damals an drei Hauptstandorten organisiert: bei der Familie Smith in Palmyra, der Familie Whitmer in Fayette und der Familie Knight in Colesville. Besonders in Colesville nahmen die Anfeindungen zu, insbesondere in der Nähe des Elternhauses von Emma Smith, der Frau des Propheten. Ende Juni 1830 fanden dort Versammlungen statt, in denen mehrere Personen, darunter auch Emma, durch die Taufe in die Kirche aufgenommen wurden. Gegner der Kirche versuchten, die Taufen zu verhindern, indem sie einen eigens errichteten kleinen Damm zerstörten.
Kurz darauf wurde Joseph Smith verhaftet, unter dem Vorwurf, Unruhe zu stiften und das Land durch das Predigen des Buches Mormon in Aufruhr zu versetzen. Der Wachtmeister, der ihn in Gewahrsam nahm, offenbarte ihm jedoch, dass die eigentliche Absicht seiner Feinde darin bestand, ihn einem wartenden Mob auszuliefern. Der Beamte, der Josephs wahres Wesen erkannte, entschied sich jedoch, ihn zu schützen. Während der Fahrt zu einer Unterkunft wurden sie tatsächlich von einem Mob umzingelt, konnten aber entkommen. Auf der Flucht fiel ein Wagenrad ab, doch sie schafften es, es wieder anzubringen und der Verfolgung erneut zu entgehen. In South Bainbridge angekommen, übernachteten sie dort, wobei der Wachtmeister mit einer geladenen Muskete Wache hielt.
Währenddessen versammelte Joseph Knight Zeugen, die für Josephs Unschuld aussagten. Josiah Stowell und dessen Töchter sowie weitere Bürger aus Colesville sprachen sich für ihn aus, was dazu führte, dass Joseph freigesprochen wurde. Doch unmittelbar danach wurde er mit einer neuen Anklage aus dem benachbarten Broom County erneut verhaftet. Diesmal war der Wachtmeister feindseliger. Er brachte Joseph in eine Herberge, wo dieser beleidigt und verspottet wurde. Die Männer forderten ihn höhnisch auf zu prophezeien und verhöhnten ihn, ähnlich wie Christus von seinen Peinigern verspottet wurde. Während der Nacht durfte Joseph kaum essen und musste unter engen, unangenehmen Bedingungen schlafen, da der Constable sicherstellen wollte, dass er nicht entkam.
Am nächsten Tag wurde Joseph erneut vor Gericht gestellt. Wieder traten Freunde für ihn ein, darunter Newell Knight, für den Joseph zuvor durch die Macht des Priestertums einen bösen Geist ausgetrieben hatte. Ihre Zeugenaussagen beeindruckten das Gericht so sehr, dass Joseph erneut freigesprochen wurde. Der feindselige Wachtmeister entschuldigte sich nach der Verhandlung für seine Behandlung Josephs und bat ihn um Vergebung.
Joseph kehrte daraufhin mit Oliver Cowdery nach Colesville zurück, um die bereits getauften Mitglieder zu bestätigen. Doch bald verbreiteten sich Gerüchte, dass sich erneut ein Mob sammelte, um ihn zu ergreifen. Joseph und Oliver flohen in letzter Minute und mussten sich auf ihrer Flucht oft verstecken. Schließlich kehrten sie nach Hause zurück, nachdem sie die Nacht unter einem Baum verbracht hatten, abwechselnd schlafend und wachend. Die Verfolgung wegen ihres Glaubens war für sie ein schmerzhaftes Zeugnis der Ironie, dass sie in einem Land verfolgt wurden, dessen Verfassung doch eigentlich die Religionsfreiheit garantierte.
Trotz aller Widrigkeiten blieb Joseph zuversichtlich. Er schrieb, dass sie trotz ihrer Flucht darauf vertrauten, dass sie am Ende siegreich sein würden – solange sie ihrem göttlichen Auftrag treu blieben. (Quelle:“Offenbarung, Juli 1830–A [LuB 24]”)
Die folgenden drei Offenbarungen (L&B 24-26) wurden in dieser schlimmen Lage empfangen, um diese Führer zu stärken, zu ermutigen und zu unterweisen.
Eine Zusammenfassung von L&B 24:1-9:
Hier spricht der Herr direkt zu Joseph Smith und erinnert ihn daran, dass er zum Verfasser des Buches Mormon und zum geistlichen Dienst berufen wurde. Der Herr betont, dass er Joseph aus Bedrängnissen befreit und ihn vor seinen Feinden geschützt hat. Dennoch weist er darauf hin, dass Joseph für seine Übertretungen keine Entschuldigung hat und ermahnt ihn, nicht mehr zu sündigen. Joseph soll sein Amt groß machen und nach der Sicherung seiner Felder rasch zu den Gemeinden in Colesville, Fayette und Manchester reisen, wo sich die Mitglieder um ihn kümmern sollen. Falls sie ihn nicht aufnehmen, wird anstelle eines Segens ein Fluch auf sie kommen.
Weiterhin wird Joseph angewiesen, Gott im Namen Jesu anzurufen und das niederzuschreiben, was ihm durch den Heiligen Geist eingegeben wird. Ihm wird zugesichert, dass er im richtigen Moment wissen wird, was er sprechen und schreiben soll, und dass die Kirche seine Worte empfangen muss, um gesegnet zu werden. Joseph soll sein gesamtes Wirken Zion widmen, denn darin wird er Kraft haben. Der Herr mahnt ihn zur Geduld in Bedrängnissen, da er noch viele Prüfungen erleben wird, doch er versichert ihm seine ständige Begleitung. Schließlich macht der Herr deutlich, dass Joseph nicht für zeitliche Arbeiten berufen ist, sondern sich vollständig seinem geistlichen Amt widmen soll. Wenn er dies tut, wird er die nötigen Mittel erhalten, um sein Amt groß zu machen, die Schriften zu erläutern und die Gläubigen durch Handauflegen zu bestätigen.
Was es bedeutet “sein Amt groß zu machen” und seinen ganzen Dienst Zion zu widmen
Die Aufforderung, sein Amt groß zu machen (Vers 3) und “sein ganzes Dienen Zion zu widmen” (Vers 7), bedeutet, dass Joseph Smith seine göttliche Berufung als Prophet mit vollem Einsatz erfüllen, ihr hohe Bedeutung beimessen und sie mit Eifer ausführen soll. Es geht darum, sein Priestertum und seine Verantwortung als Führer der Kirche mit Würde, Hingabe und Treue auszuüben.
Dem Amt Priorität geben – Joseph sollte sich nicht von anderen weltlichen Verpflichtungen ablenken lassen, sondern seine geistliche Berufung an erste Stelle setzen.
Dienen und Unterweisen – Er sollte sich um die Mitglieder kümmern, die Kirche lehren und sie mit geistiger Führung stärken.
Mit göttlicher Kraft wirken – Indem er sich seiner Aufgabe vollständig widmete, würde er göttliche Unterstützung erhalten, um sein Amt mit Macht und Inspiration auszuüben.
Den Auftrag mit Eifer und Würde erfüllen – Er sollte sich der Bedeutung seiner Berufung bewusst sein und mit Vertrauen und Glauben handeln.
Für Joseph Smith bedeutete dies konkret, dass er reisen und die Gemeinden in Colesville, Fayette und Manchester besuchen sollte, um sie zu unterweisen und zu stärken. Im weiteren Sinne gilt diese Aufforderung auch für alle Priestertumsträger: Sie sollen ihr Amt nicht nur formell innehaben, sondern es aktiv und würdevoll ausüben, und dabei in Bedrängnissen geduldig bleiben.
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